Statements zum Film

Fredi Murer, Filmemacher:

 

Was hat Edwin Beeler mit HEXENKINDER wieder für einen unmenschlich menschlichen Film auf die Leinwand gezaubert. Seine hochsympathischen Hauptdarsteller, zwei Damen und drei Herren in ihrem besten Alter, müssten heute eigentlich um die 350 Jahre alt sein, denn sie alle verbrachten ihre Kindheit im tiefsten Mittelalter. Genauer gesagt, in christlich geführten Kinderheimen, hier in unserer heilen Schweiz.

Dieser starke und gleichzeitig sehr intime Film ist durchwegs getragen von magischen Landschaften und szenischen Sequenzen von einer authentischen Intensität, von der wir vom Spielfilm nur träumen können. – Ein Film ganz im Sinne von Tolstoi: «Wenn du der Welt universelle Geschichten erzählen willst, erzähle über dein Dorf.»

Dr. Erwin Koller, früherer Leiter der Sternstunden des Schweizer Fernsehens:

 

Nein, sie werden nicht mehr hingerichtet wie im 17. Jahrhundert: Hexenkinder, kaum zehn Jahre alt, geboren von ledigen Müttern, verstossen von ihren Vätern, an keinem Ort der achtbaren Gesellschaft auch nur geduldet, und darum – wen wunderts – auffällig und unangepasst.

Und doch: Was Heimkinder noch vor zwei Generationen an verschiedenen Orten der Schweiz erlebt haben, wie sie bis weit über die Mitte des letzten Jahrhunderts hinaus auch von Klosterfrauen malträtiert wurden, mit wel-chen Ängsten und seelischen Verwundungen sie fertig werden mussten, das ist unerhört und geht auf keine Kuhhaut.

Edwin Beeler erzählt diese Geschichten wie immer in seinen Filmen mit grösster Sorgfalt und hohem Respekt, einfühlsam beobachtend, Vertrauen schaffend, Anteil nehmend, doch nie verurteilend. Und er gestaltet zwischen den Schicksalen kleine Oasen, die ausatmen lassen, Ruhe schaffen, auch Hoffnung stiften in die vitale Überlebenskunst schwerstgeprüfter Menschen.

Denn trotz allem gelingt es Edwin Beeler, dem Träger des Innerschweizer Kulturpreises 2017, dass sein Dokumentarfilm kein Trauerstück wird, keinen Weltpessimismus verbreitet und nicht in Depressionen gefangen bleibt. Er lässt Personen sehr authentisch erzählen, wie sie zwar oft noch auf Zeichen der Reue warten, aber doch ohne Verbitterung mit dem fertig geworden sind, was die Lebensgeschichte ihnen angetan hat. 

Zu wünschen bleibt, dass die Täterinnen und Täter und auch die Klostergemeinschaften, die Verantwortung trugen, endlich hinstehen und um Entschuldigung bitten. Der Film liefert die Vorlage dafür: ein Betroffener berichtet von einer Begegnung mit Abt Georg Holzherr von Einsiedeln, der dies im Namen der Kirche ihm gegenüber getan hat. 

Nicht zuletzt aber stehen auch jene in der Verantwortung, die mit ihrer moralisierenden Sexualfeindschaft und ihrem Hexenglauben das ideologische Fundament für diese leidvolle und unmenschliche Geschichte geschaffen haben.

Zur Aufarbeitung dieser Geschichte tragen freilich auch Sie bei, liebe Leserin, lieber Leser, wenn sie den Film anschauen und sich in Gesprächen mit dem Thema auseinandersetzen. Etwa mit der Frage, warum das Recht auf Kindheit ein Menschenrecht ist.

Sergio Devecchi:

 

Edwin Beeler ha realizzato un film molto bello.

Con molta sensibilità  ha saputo riprodurre la sofferenza, il dolore, la solitudine e l'impotenza dei nostri ex bambini collocati in istituto. Sono immagini che toccano direttamente il cuore.  Incorporando anche le vicissitudini  crudeli che i "figli delle streghe" hanno dovuto sopportare nel Medioevo, il film assume anche una dimensione storica in un contesto temporale più ampio.

Le persone non conformi - allora erano le "streghe" e i loro "figli delle streghe" - oggi quelle afflitte dalla povertà e rifiutate dal sistema, i figli illegittimi, le loro madri, i migranti ecc., fanno fatica ancora oggi. È come se ci fosse un filo rosso che attraversa l'umanità nel tempo.

Semplicemente non siamo in grado di superare questa malvagia ricorrente stigmatizzazione di "essere diversi".

Spero vivamente che il film contribuirà non solo a sviluppare sentimenti di tolleranza per le persone deboli e per quelle a rischio di esclusione, ma che riuscirà

anche a far emergere nelle coscienze individuali e collettive la comprensione del PERCHÉ!